Unser Vereinslokal

Die “gute Stube” des Dorfes war und ist der “Fusseberg”. Hier ist der gesellschaftliche Mittelpunkt des Dorfes. Trotz der verschiedenen Dorffeste, trotz der guten Nachbarschaften, die existieren, und trotz der vielen Gespräche, die auf der Straße und über die Gartenzäune hinweg stattfinden, wäre das Miteinander in Helpenstein ein anderes.

Der Fusseberg ist der unangefochtene Mittelpunkt des Ortes. Hier trifft man sich zum Kartenspiel, beim Sonntagsfrühschoppen oder zum Bier am Abend. Hier werden frohe Familien- und Dorffeste genauso gefeiert, wie Beerdigungen. Man lacht über lustige Geschehnisse und ist bestürzt, wenn eine schlimme Nachricht in das Gasthaus dringt. Hier ist die Möglichkeit, neue Einwohner des Ortes kennenzulernen, denn in einer ausgelassenen Bierrunde kommt man sich schneller näher. Politik und Religion, Dorfbelange und Familientratsch, alles wird behandelt.

Manchmal biegen sich die Balken über der Theke, denn man kann nicht alles ernst nehmen, was geredet wird. Es wird auch viel “gerekelt³ (= gehetzt). Das bleibt ja nicht aus, denn in einem Dorf, wo jeder jeden kennt, da ist zunächst einmal der Nachbar oder ein anderer Dorfbewohner Gesprächsstoff. Das war in der Vergangenheit offensichtlich noch ausgeprägter der Fall, als heute. Die Gaststätte trug ab Anfang der Fünfziger Jahre offiziell bis zum Bau des jetzigen Hauses den Namen “Zum Rekelieser³. Daran erinnern noch die beiden Schürhaken (= Rekelieser) an der Wand rechts vor der Theke.

Mag der alte Name noch zutreffend gewesen sein, der jetzige ist nicht richtig. Nach Vorstellung der Eigentümer soll sich der Name auf den nahegelegenen Burghügel der Burg Helpenstein beziehen, nicht auf den Familiennamen der alten Eigentümer, des Großvaters (= Fussen). Dann hätte das Lokal “ Zum Hofbirch³ (= Zum Hofberg) genannt werden müssen, denn schon vor Jahrhunderten wurde dieser Berg so genannt, niemals Fusseberg. Was soll´s ! Hauptsache, es gibt überhaupt noch eine Gaststätte im Dorf, der Name ist zweitrangig. Wie lang es ein Gasthaus in Helpenstein gibt, ist nicht bekannt.

Der “Fusseberg" scheint aber eine lange Tradition zu haben. In Helpenstein hatte man seit altersher das Brau- und Brennrecht. Dieses wurde von Grundherren, den Herren von Helpenstein bzw. deren Nachfolgern vergeben. Am 21.3.1763 schrieb der gräflich-Bentheim-Tecklenburgsche Rath- und Amtmann eine Aufstellung bezüglich der Einkünfte der Herrschaft Helpenstein. Hierin steht “ … hat man zu Helpenstein die Bier- und Branntwein-Acziese …. Wer dieses Brau- und Brennrecht ausübte, ist nicht bekannt.

Es ist auch nicht überliefert, das in einem Haus gebraut wurde. Die jetzigen Eigentümer, die Familie Cremer, hat das Haus schon seit mehreren Generationen in Besitz. Der Ururgroßvater von Mathias Cremer betrieb nach der Überlieferung schon eine Gastwirtschaft. Sein Name war Meinholz. Gemäß dem Urkataster von 1809 und der dazugehörigen Eigentümerliste war Anton Durst Eigentümer des Gaststättengebäudes. Anton Durst aus Speck war der Schwiegervater von Heinrich Meinholz, der am 28.05.1789 geboren wurde und Schankwirt In der Gaststätte „Fusseberg“ war. Er heiratete die Tochter von Anton Durst, Anna Maria Durst, am 11.02.1812.

Er und die nachfolgenden Generationen betrieben nebenher noch eine Landwirtschaft, denn die Gaststätte alleine bot kein ausreichendes Einkommen. 1810 hatte Helpenstein ca. 30 Häuser und etwa 135 Einwohner, denen das Geld bestimmt nicht so locker saß, wie uns heute. Auch war die Auswahl an Getränken und Speisen (wenn es diese überhaupt hier gab) sehr gering. Bier gab es nur in der kühlen Jahreszeit, da es auf den Dörfern meistens im Sommer nicht gebraut werden konnte. Es fehlten die Kühlmöglichkeiten. In den Städten gab es Eiskeller, die im Winter mit Eis aus gefrorenen Stadtgräben, Löschteichen oder Weihern aufgefüllt wurden. Diese Vorräte hielten sich bis in den Sommer hinein. Daher wurde auf dem Lande mehr Schnaps und Wein getrunken.

Noch bis in unser Jahrhundert hinein wurde zur Kirmes im Zelt ein großes Fass Korn verzapft. Erst als Bier in Flaschen gefüllt und gekühlt werden konnte, gab es zu jeder Jahreszeit den beliebten Gerstensaft. Fassbier wurde nur zu bestimmten, großen Festen besorgt. Damals musste ein Fass leergetrunken werden, da es sonst verdarb. Zapf- und Kühlanlagen waren unbekannt. Auf dem Land musste dem Wirt also eine weitere Einnahmequelle sprudeln. Nur die Gaststube wird nicht gereicht haben. Viel mehr, als ein für Gäste geräumtes Zimmer, darf man sich auch nicht vorstellen, wenn man an eine “Schankwirtschaft³ alten Zuschnitts denkt.

Dies zeigt das Bild der alten Gaststätte in Helpenstein deutlich. Nur einmal im Jahr, nämlich zur Kirmes, wurden alle Rahmen gesprengt. Dann reichte der vorhandene Platz nicht aus. Es wurde ein Zelt gebaut. Dies besorgte der Wirt, dass heißt, er lies es besorgen.

Die Mitglieder der Kirmesgesellschaft holten es mit Pferde- und Ochsengespannen beim Zeltverleih ab, trugen die Einzelteile durch den Hof der Gaststätte an der Scheune vorbei in den “Bonged³. Dort wurde es aufgebaut. Den Ausschank hatte der Wirt, der dafür vom Verein auch noch Geld bekam…! Das alte Gasthaus ( wurde vor 25 Jahren abgerissen. Die Erfordernisse der Zeit hatten dies nötig werden lassen. Der einfache, zweckmäßige Gastraum, eine viel zu kleine Küche, die im Krieg verloren gegangene Kegelbahn, Toiletten über dem Hof und viele andere Unzulänglichkeiten halfen bei diesem Entschluss.

Viele trauerten dem alten Gemäuer nach, denn hier war, trotz der einfachen Verhältnisse, viel gefeiert und gelacht worden, gerade in der Nachkriegszeit. Hier wurde die erste Kirmes nach dem zweiten Weltkrieg gefeiert, damals im provisorisch überdachten Hof des Hauses, hier fand man sich Karneval zusammen, sah in einem der ersten Fernsehgeräte des Dorfes Fußballspiele und Karnevalssitzungen. Unvergessen sind die schönen Familienfeste der Gesellschaft.

Das jetzige Gasthaus wurde 1970/71 gebaut, nachdem das alte Haus nach der Kirmes abgebrochen worden war. Kegelbahn, Vereinszimmer und der Gastraum können bei Bedarf zusammen genutzt werden. Im Sommer kommt der Biergarten hinzu, der vorwiegend von auswärtigen Besuchern genutzt wird. Die jetzigen Pächter, die Eheleute Andreas und Gitta Reinz führen das Haus in der alten Tradition fort: Gepflegte Getränke, gutbürgerliches Essen und freundliches Personal lassen viele Gäste gerne wiederkommen. Die Kirmesgesellschaft trifft sich hier seit altersher zu ihren Versammlungen und internen Festen. Früher dauerten Versammlungen oft bis zum Morgengrauen. Nicht, weil man sich nicht einigen konnte, sondern weil hinterher Karten gespielt wurde. Die Versammlung war oft nur eine Sache von weniger als einer halben Stunde. “Maat vöran, mer welle Kaate spille³, wurden Vorstand und Präsident gemahnt. Selbst so wichtige Dinge wie Neuwahlen gingen oft in der selbstgemachten Hetze unter. Wen wundert es, dass sogar Neuwahlen vergessen wurden und so der Vorstand ein oder zwei Jahre länger im Amt war, als gewählt! Für uns durchaus nicht ungewöhnlich, denn schon vor 75 Jahren wurde im “Fusseberg³ Karten gespielt und das Ergebnis auf der Rückseite der neuen Satzung geschrieben!

Dies zeugt von einer urgemütlichen Atmosphäre, die heute noch in unserem Vereinslokal zu finden ist. Hoffentlich ist seine Tür noch lange für uns offen. Dies wird so sein, wenn wir alle diese Tür möglichst oft öffnen und uns als Gast dort sehen lassen.

Martin Kluth


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